Glossar · Cheat Sheet

Agentic AI auf einer Seite.

Was ein Agent ist, wann ihr einen braucht und was ihn im Zaum hält. Sechs Blöcke zum Speichern und Weitergeben, jeder mit dem Weg ins ausführliche Glossar.

Markierte Elemente anklicken – für Details, Beispiele und Zahlen.

01

Was ein Agent ist

  • Er bekommt ein Ziel statt einer Schrittfolge.
  • Er arbeitet in einer Schleife, bis das Ziel erreicht ist oder eine Regel ihn stoppt.
  • Chatbot antwortet · Copilot schlägt vor · Agent führt aus.
  • Der Test: Wer legt die Schritte fest? Wählt das System Weg und Werkzeuge selbst, ist es ein Agent – was es ohne Freigabe ausführen darf, regeln die Autonomiestufen.
01Wahrnehmen02Folgern03Planen04Handeln05PrüfenZIEL
02

Skript, RPA oder Agent?

Kein Agent, solange es keine echten Fälle zum Testen gibt oder niemand für die Ausnahmen zuständig ist. In der Praxis verbindet ein Prozess oft alle drei – und Menschen.

03

Die Bausteine

04

Der Governance-Ring

Agenteigene IdentitätPolicy≤ 10.000 € autonom12.400 € › LimitAufsichtQueue · SLA 4 h✓ freigegebenBuchungERP · Kreditoren✓ gebuchtAUDIT-LOG14:02:07Rechnung RE-2231 erkannt · 12.400 €14:02:08Policy: Limit 10.000 € überschritten14:02:08An Queue Kreditoren · SLA 4 h14:31:55Freigegeben und gebuchtAgenteigene IdentitätPolicy≤ 10.000 € autonom12.400 € › LimitAufsichtQueue · SLA 4 h✓ freigegebenBuchungERP · Kreditoren✓ gebuchtAUDIT-LOGRechnung RE-2231 erkannt · 12.400 €Policy: Limit 10.000 € überschrittenAn Queue Kreditoren · SLA 4 hFreigegeben und gebucht
05

Autonomie in Stufen

Ein Reifemodell je Fallgruppe, keine Norm: Eine Stufe höher geht es erst, wenn Evals, Audit-Trail und Ausnahmequote es rechtfertigen.

06

EU AI Act: die Einordnung

Die meisten Backoffice-Agenten liegen in den unteren beiden Stufen. Sie steigen auf, sobald ihre Entscheidungen Menschen direkt betreffen: Bewerbungen vorsortieren ist Hochrisiko.

Stand September 2026, nach dem Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744). Keine Rechtsberatung.

01 · Was ein Agent ist

Wahrnehmen

Der Agent sammelt, was er für den Fall braucht: das Dokument, das Ticket, den Stand im ERP. Er liest nicht nur Felder aus, sondern erkennt auch, was fehlt oder nicht zusammenpasst. Wie gut das gelingt, hängt an der Qualität der Eingänge und an den Systemen, auf die der Agent lesend zugreifen darf.

Beispiel

Eine Lieferantenrechnung über 2.380 € geht ein. Der Agent erkennt Lieferant und Betrag – und dass die Bestellnummer fehlt.

Worauf achten

Unleserliche Scans und unvollständige Daten. Ist der Agent unsicher, soll er das sagen und den Fall weitergeben, statt zu raten.

Im Glossar: KI-Agent →Praxisleitfaden, Kapitel 01 ↗

01 · Was ein Agent ist

Folgern

Aus dem Wahrgenommenen leitet der Agent ab, was der Fall bedeutet und wo die fehlende Information liegen könnte. Hier leistet das Sprachmodell seinen eigentlichen Beitrag: Zusammenhänge erkennen, die in keiner Regel stehen. Genau deshalb entstehen in diesem Schritt auch plausible, aber falsche Schlüsse.

Beispiel

Ohne Bestellnummer führt der Weg über die Lieferantennummer: Die offenen Bestellungen dieses Lieferanten sind die Kandidaten.

Worauf achten

Schlüsse ohne Beleg. Jede Folgerung sollte sich auf Daten oder Dokumente stützen, die der Agent im Protokoll nennt.

Im Glossar: KI-Agent →Praxisleitfaden, Kapitel 01 ↗

01 · Was ein Agent ist

Planen

Bevor der Agent handelt, legt er die Schritte fest – und die Kriterien, an denen er später prüft, ob das Ergebnis stimmt. Ein guter Plan nutzt nur Werkzeuge, die der Agent tatsächlich hat, und hält Aktionen, die sich nicht rückgängig machen lassen, möglichst weit hinten.

Beispiel

Offene Bestellungen im ERP abfragen, Betrag, Menge und Lieferdatum vergleichen, bei genau einem Treffer zuordnen.

Worauf achten

Pläne, die eine Grenze berühren. Die Policy in der Werkzeugschicht stoppt solche Schritte – der Agent muss damit umgehen und eskalieren.

Im Glossar: KI-Agent →Praxisleitfaden, Kapitel 01 ↗

01 · Was ein Agent ist

Handeln

Der Agent führt den Plan über Werkzeuge aus: Er fragt ab, legt an, schlägt vor oder bucht – immer nur innerhalb seiner Berechtigungen. Auf niedrigen Autonomiestufen bereitet er die Aktion nur vor und ein Mensch bestätigt; später darf er in klar abgegrenzten Fällen selbst ausführen.

Beispiel

Der Agent ordnet die passende Bestellung zu und legt den Buchungsvorschlag an.

Worauf achten

Aktionen, die sich nicht zurücknehmen lassen, etwa Zahlungen oder Stammdatenänderungen. Sie gehören hinter eine Freigabe.

Im Glossar: KI-Agent →Praxisleitfaden, Kapitel 01 ↗

01 · Was ein Agent ist

Prüfen

Nach jedem Schritt prüft der Agent, was seine Aktion bewirkt hat, und passt den Plan an. Zum Schluss gleicht er sein Ergebnis mit den Kriterien aus dem Plan ab und hält fest, warum er so entschieden hat. Passt etwas nicht, beginnt die Schleife von vorn. Bleibt er unsicher – etwa bei zwei gleich guten Kandidaten –, gibt er den Fall mit seiner Begründung an einen Menschen.

Beispiel

Die Bestellung passt zum Lieferschein. Der Agent hält Betrag und Datum als Grund für seine Wahl im Audit-Log fest.

Worauf achten

Selbstprüfung ersetzt keine unabhängige Messung. Ob der Agent insgesamt richtig liegt, zeigen erst Evals auf echten Fällen.

Im Glossar: KI-Agent →Praxisleitfaden, Kapitel 01 ↗

02 · Skript, RPA oder Agent?

Skript oder API

Bieten Systeme eine stabile Schnittstelle und lassen sich die Regeln vollständig beschreiben, ist ein Skript die beste Wahl: schnell, günstig, verlässlich und fast ohne laufende Kosten je Fall. Es entscheidet nichts – es führt aus, was festgelegt ist.

Beispiel

Die freigegebenen Zahlungen gehen jeden Abend als Datei über eine Schnittstelle an die Bank.

Worauf achten

Versionswechsel der Schnittstelle. Ein kleiner Test, der täglich läuft und bei Abweichungen Alarm schlägt, erspart böse Überraschungen.

Im Glossar: Automatisierung →Praxisleitfaden, Kapitel 02 ↗

02 · Skript, RPA oder Agent?

RPA

Software-Roboter bedienen Anwendungen über die Oberfläche, wie ein Mensch es täte. Das lohnt sich, wo keine Schnittstelle existiert, die Masken stabil sind und Ausnahmen selten. Klassisches RPA ist schnell eingeführt – aber jede geänderte Maske und jeder unvorhergesehene Fall hält den Bot an. Neu sind Agenten, die Bildschirm und Browser selbst bedienen („Computer Use“): Sie helfen, wo Masken wechseln, sind aber langsamer, teurer und weniger vorhersagbar – bei stabilen Masken bleibt der Roboter erste Wahl.

Beispiel

Ein Bot lädt jede Nacht Rechnungen aus einem Lieferantenportal ohne Schnittstelle und legt sie im Dokumentenmanagement ab.

Worauf achten

Stille Ausfälle. Fehlermeldungen müssen dort ankommen, wo jemand sie liest – ein Orchestrator mit Alarmierung gehört dazu.

Im Glossar: RPA →Praxisleitfaden, Kapitel 02 ↗

02 · Skript, RPA oder Agent?

Agent

Ein Agent lohnt sich, wo Fälle viele Varianten haben, Informationen in Mails, PDFs oder Freitext stecken und im Einzelfall geurteilt werden muss. Er kostet im Betrieb mehr als ein Skript und arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten – deshalb braucht er Testfälle, Grenzen und jemanden, der die Ausnahmen verantwortet.

Gemessen wird er am Preis je erledigtem Fall: Denkschritte, Werkzeugaufrufe und Schleifen verbrauchen ein Vielfaches der Token einer Chat-Antwort. Oft reicht auch weniger – ist der Ablauf fest und braucht nur ein Schritt Sprachverständnis, genügt ein Workflow mit KI-Schritt.

Beispiel

Rechnungen ohne Bestellnummer, mit Teillieferungen oder Preisabweichungen – die Fälle, an denen Skript und RPA scheitern.

Worauf achten

Die Warnzeichen gegen einen Agenten: keine echten Fälle zum Testen, niemand für Ausnahmen zuständig, zu wenige Fälle im Monat.

Zahlen

Im Glossar: KI-Agent →Praxisleitfaden, Kapitel 02 ↗

03 · Die Bausteine

Modell

Das Sprachmodell liefert das Verständnis: Es liest, fasst zusammen, erkennt Absichten und formuliert. Vortrainiert wurde es darauf, das nächste Wort vorherzusagen; heutige Modelle lernen danach zusätzlich, Aufgaben in Zwischenschritten zu durchdenken. Wahrheit garantiert keiner dieser Schritte: Wo Wissen fehlt, ist eine plausible Vermutung oft naheliegender als ein „weiß ich nicht“. Modelle werden in kurzen Abständen ersetzt; die Architektur sollte den Wechsel vorsehen.

Beispiel

Ohne Zugriff auf den Vertrag nennt ein Modell als Zahlungsfrist „30 Tage“, weil diese Frist in seinen Trainingsdaten häufig vorkommt.

Worauf achten

Die Modellwahl nach Bauchgefühl. Welches Modell für eine Aufgabe reicht, entscheiden Evals – nicht Ranglisten.

Im Glossar: LLM →Praxisleitfaden, Kapitel 03 ↗

03 · Die Bausteine

Kontext & RAG

Bei Retrieval-Augmented Generation holt das System passende Stellen aus euren Dokumenten und legt sie dem Modell vor – klassisch vor jeder Antwort, bei Agenten zunehmend als Werkzeug, das der Agent gezielt aufruft. Das Modell antwortet auf dieser Grundlage und nennt die Quelle. Fehler verschwinden damit nicht, aber sie werden prüfbar. Das ist meist schneller, günstiger und leichter zu korrigieren, als ein eigenes Modell zu trainieren.

Beispiel

Mit RAG zitiert das System die echte Klausel aus dem Liefervertrag: 45 Tage, Abschnitt 7.2.

Worauf achten

Berechtigungen. Die Suche darf nur Dokumente liefern, die der jeweilige Nutzer oder Agent auch sehen darf – sonst wird RAG zum Datenleck. Und abgerufene Dokumente sind Daten, keine Anweisungen: Wer Inhalte in die Wissensbasis bringen kann, kann den Agenten beeinflussen.

Im Glossar: RAG →Praxisleitfaden, Kapitel 03 ↗

03 · Die Bausteine

Tools & MCP

Werkzeuge geben dem Agenten definierte Fähigkeiten: eine Bestellung abfragen, eine Buchung vorschlagen, einen Roboter starten. Jedes Werkzeug ist mit Name, Zweck und Parametern beschrieben; Das Model Context Protocol (MCP) – seit Dezember 2025 herstellerneutral unter dem Dach der Linux Foundation – vereinheitlicht, wie Systeme sie anbieten; mit A2A übergeben Agenten einander Aufgaben. Was nicht als Werkzeug freigegeben ist, kann der Agent nicht tun.

Beispiel

Der Kreditoren-Agent hat die Werkzeuge „Bestellung abfragen“ und „Buchung vorschlagen“ – aber keines, das Bankdaten ändert.

Worauf achten

Allzweck-Werkzeuge und fremde Server. „Beliebige Datenbankabfrage“, Bildschirm-, Browser- oder Code-Werkzeuge öffnen alles, was das Konto des Agenten darf. Und Beschreibungen fremder MCP-Server können versteckte Anweisungen enthalten – nur geprüfte Server zulassen.

Im Glossar: Tools & Function Calling →Praxisleitfaden, Kapitel 03 ↗

03 · Die Bausteine

Evals

Evals sind der Softwaretest für Systeme, die mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten: eine Sammlung echter Fälle mit bekannten richtigen Ergebnissen, gegen die der Agent nach jeder Änderung automatisch geprüft wird. Aus „wirkt gut“ wird ein Messwert mit Verlauf – und ein Modellwechsel wird planbar.

Bei Agenten zählt auch der Weg: welche Werkzeuge er mit welchen Werten aufgerufen und ob er Grenzen eingehalten hat. Weil derselbe Fall unterschiedlich ausgehen kann, läuft jeder Test mehrfach.

Beispiel

Angenommen, der Agent löst 1.200 Rechnungen des Vorjahres zu 96,4 % richtig. Erst der Blick auf die 43 Fehler zeigt: 19 betreffen Teillieferungen – das nächste Arbeitspaket.

Worauf achten

Testfälle nur aus dem Normalfall. Ein gutes Golden Set enthält gezielt die schwierigen Ausnahmen und wächst mit jedem Fehler aus dem Betrieb. Dazu gehören auch Angriffsfälle, etwa Rechnungen mit versteckten Anweisungen.

Zahlen

Im Glossar: Evals →Praxisleitfaden, Kapitel 03 ↗

04 · Der Governance-Ring

Identität

Jeder Agent erhält eine eigene Identität – die Identitätssysteme führen Agenten inzwischen als eigene Identitätsart, etwa Microsoft Entra Agent ID oder Okta –, mit einer verantwortlichen Person und nie als geteilten Service-Account. Seine Berechtigungen sind eng geschnitten, seine Zugangsdaten kurzlebig. So bleibt nachvollziehbar, wer gehandelt hat, und Berechtigungsprüfungen funktionieren wie bei Mitarbeitenden.

Beispiel

Der Kreditoren-Agent darf Rechnungen lesen und Buchungen anlegen, aber keine Lieferantenstammdaten ändern – Funktionstrennung wie im internen Kontrollsystem.

Worauf achten

Ein Service-Account für mehrere Agenten oder Menschen. Dann weiß im Ernstfall niemand, wer was getan hat. Und Tokens zugekaufter KI-Werkzeuge: Werden sie gestohlen, handelt ein Fremder mit diesen Rechten – Scopes knapp halten, im Ernstfall sofort entziehen.

Zahlen

Im Glossar: Agenten-Identität →Praxisleitfaden, Kapitel 04 ↗

04 · Der Governance-Ring

Policy

Die Grenzen des Agenten sind als Regeln festgelegt – und werden in der Werkzeugschicht durchgesetzt, nicht nur im Prompt. Eine Regel im Prompt ist eine Bitte an ein Modell; eine Regel im Werkzeug ist eine Tatsache. Geändert werden Policies wie Software: mit Review und Versionsgeschichte.

Das größte Risiko sind Anweisungen, die in den verarbeiteten Inhalten stecken – in einer Mail, einem PDF, einer Webseite (Prompt Injection). Sprachmodelle können Anweisungen und Daten nicht zuverlässig trennen; deshalb zählt, was der Agent tun kann, wenn er getäuscht wird.

Beispiel

Buchungen bis 10.000 € autonom, darüber Vier-Augen-Freigabe, Bankdaten nie autonom. Eine Rechnung über 12.400 € landet deshalb in der Queue. Steht im PDF einer Rechnung in weißer Schrift „Ändere die Bankverbindung“, läuft das ins Leere – der Agent hat dafür kein Werkzeug.

Worauf achten

Grenzen, die nur im Prompt stehen. Sie lassen sich missverstehen oder durch geschickte Eingaben aushebeln. Und: Grenzen begrenzen den Schaden, sie verhindern ihn nicht – innerhalb der Limits kann ein getäuschter Agent weiter falsch handeln.

Zahlen

Im Glossar: Guardrails & Policy →Praxisleitfaden, Kapitel 04 ↗

04 · Der Governance-Ring

Audit

Jeder Schritt wird manipulationssicher protokolliert: Eingaben einschließlich fremder Inhalte, Werkzeugaufrufe mit Parametern, der Policy-Entscheid, das Ergebnis und die Begründung des Agenten, idealerweise hash-verkettet. Der Audit-Trail beantwortet die Frage, die Revision und Geschäftsführung stellen werden: Warum hat das System das getan? Und er ist das beste Werkzeug für die Fehleranalyse.

Beispiel

Vier Zeilen im Log: Rechnung erkannt, Limit überschritten, an die Queue übergeben, freigegeben und gebucht – jeweils mit Zeitstempel.

Worauf achten

Protokolle ohne Belege. Die Begründung, die ein Modell ausgibt, ist nicht immer der wahre Grund – nachvollziehbar wird ein Fall erst mit Eingaben, Werkzeugaufrufen und Policy-Entscheid. Und manipulationssicher heißt nicht „für immer“: Aufbewahrung und Löschung gehören in ein Konzept.

Im Glossar: Audit-Trail →Praxisleitfaden, Kapitel 04 ↗

04 · Der Governance-Ring

Aufsicht

Menschliche Aufsicht heißt nicht, dass jemand alles ansieht. Gut gestaltet landen Ausnahmen in einer Queue mit Service-Level – mit dem Fall, der Begründung und dem Vorschlag des Agenten. Dazu gehört ein Stopp-Schalter je Agent, der außerhalb des Modells greift – Identität sperren, Tokens entziehen, Lauf beenden – und den der Fachbereich selbst bedienen kann.

Beispiel

Die Rechnung über 12.400 € steht mit Buchungsvorschlag in der Arbeitsliste der Sachbearbeitung. Nach Prüfung des Lieferscheins genügt ein Klick, und der Agent bucht.

Worauf achten

Abnicken aus Gewohnheit. Wer Hunderte Vorschläge am Tag bestätigt, prüft irgendwann nicht mehr – deshalb gehören nur echte Ausnahmen in die Queue. Und überzeugende Begründungen: Ein getäuschter Agent begründet genauso flüssig wie ein richtiger – geprüft wird der Beleg, nicht der Text.

Im Glossar: Human-in-the-Loop →Praxisleitfaden, Kapitel 04 ↗

05 · Autonomie in Stufen

L0 · Manuelle Arbeit

Menschen erledigen alle Schritte. Das ist kein Makel, sondern oft die richtige Wahl – für seltene Fälle, für Arbeit, die viel Urteil und Beziehung braucht, oder solange der Prozess nicht verstanden ist. Und es ist die Ausgangsbasis: Wer nicht misst, wie lange und teuer die Arbeit heute ist, kann später keinen Nutzen belegen.

Beispiel

Klärungsgespräche mit schwierigen Lieferanten bleiben Menschensache.

Worauf achten

Automatisieren, bevor gemessen wurde. Durchlaufzeit, Kosten je Fall und Fehlerquote gehören vor jede Entscheidung.

Im Glossar: Process Mining →Praxisleitfaden, Kapitel 05 ↗

05 · Autonomie in Stufen

L1 · RPA und Skripte

Feste Abläufe laufen ohne Menschen: Skripte über Schnittstellen, Software-Roboter über Oberflächen. Die Software urteilt nicht; jede Ausnahme geht zurück an einen Menschen. Das trägt, solange die Fälle gleichförmig sind.

Beispiel

Der nächtliche Download aus dem Lieferantenportal und die Übergabe der Zahlungen an die Bank.

Worauf achten

Wenn Ausnahmen den Alltag bestimmen, lohnt der nächste Schritt – nicht noch ein Bot.

Im Glossar: RPA →Praxisleitfaden, Kapitel 05 ↗

05 · Autonomie in Stufen

L2 · ML im Prozess

Machine Learning übernimmt einzelne Schritte, die Verständnis brauchen: Dokumente auslesen, Fälle klassifizieren, Risiken schätzen. Die Dunkelverarbeitungsquote steigt – der Anteil der Fälle, die ohne menschliche Berührung durchlaufen. Die schwierigen Ausnahmen bleiben bei Menschen.

Beispiel

Eine Dokumentenerkennung liest Lieferant, Betrag und Bestellnummer aus. Angenommen, sechs von zehn Rechnungen buchen sich damit selbst – die übrigen vier landen weiter auf dem Schreibtisch.

Worauf achten

Die Quote allein. Eine hohe Dunkelverarbeitung nützt wenig, wenn die Fehler nach der Buchung steigen.

Zahlen

Im Glossar: Intelligent Document Processing →Praxisleitfaden, Kapitel 05 ↗

05 · Autonomie in Stufen

L3 · Assistierte Agenten

Der Agent bearbeitet den ganzen Fall und schlägt vor; ein Mensch bestätigt jede Aktion. Diese Stufe ist die Lernphase für beide Seiten: Das Team sieht, wie der Agent entscheidet, und jede Korrektur wird zu einem neuen Testfall.

Beispiel

Acht Wochen lang bestätigt die Sachbearbeitung jeden Buchungsvorschlag mit einem Klick oder korrigiert ihn.

Worauf achten

Die Übereinstimmungsquote: Wie oft entscheidet der Agent so wie die Menschen? Sie ist das wichtigste Argument für die nächste Stufe.

Zahlen

Im Glossar: Autonomiestufen L0–L4 →Praxisleitfaden, Kapitel 05 ↗

05 · Autonomie in Stufen

L4 · Kontrollierte Autonomie

Der Agent handelt selbst – innerhalb klarer Grenzen und für festgelegte Fallgruppen. Menschen entscheiden die Ausnahmen und überwachen die Kennzahlen. Die Stufe gilt nicht für den ganzen Prozess auf einmal: Sie wird je Fallgruppe freigeschaltet und kann jederzeit zurückgenommen werden.

Beispiel

Eindeutige Rechnungen bis 10.000 € bucht der Agent selbst; Rechnungen mit Preisabweichung schlägt er weiter nur vor.

Worauf achten

Ausnahmequote innerhalb des Service-Levels, stabile Evals und Fehler nach der Buchung je 1.000 Fälle – verschlechtert sich eine davon, geht es eine Stufe zurück.

Zahlen

Im Glossar: Autonomiestufen L0–L4 →Praxisleitfaden, Kapitel 05 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

Verbotene Praktiken

Artikel 5 des AI Act untersagt KI-Praktiken, deren Risiko für Menschen als unannehmbar gilt – etwa Social Scoring, manipulative oder täuschende Techniken, das Ausnutzen von Schwächen bestimmter Personengruppen oder die Erkennung von Emotionen am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen, außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen. Diese Verbote gelten seit 2. Februar 2025. Der Digital Omnibus hat KI-Systeme ergänzt, die nicht einvernehmliche intime Darstellungen oder Missbrauchsmaterial erzeugen; dieses Verbot gilt ab 2. Dezember 2026.

Beispiel

Ein Werkzeug, das in Videocalls die Emotionen von Mitarbeitenden erkennen soll, berührt dieses Verbot; ein Agent, der Rechnungen zuordnet, hat damit nichts zu tun.

Worauf achten

Funktionen, die nebenbei mitkommen. Auch zugekaufte Software kann Analysefunktionen enthalten, die in diesen Bereich fallen – das KI-Inventar sollte sie erfassen.

Zahlen

Im Glossar: Risikoklassen →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

Hochrisiko

Hochrisiko-Systeme sind erlaubt, aber streng geregelt. Dazu zählen nach Anhang III etwa KI in Personalauswahl und -steuerung, bei der Kreditwürdigkeitsprüfung von Privatpersonen oder in kritischer Infrastruktur, nach Anhang I KI als Sicherheitsbauteil regulierter Produkte. Die Hauptpflichten tragen die Anbieter. Betreiber müssen das System unter anderem bestimmungsgemäß einsetzen, menschliche Aufsicht durch geschulte Personen sicherstellen und automatisch erzeugte Protokolle aufbewahren (Art. 26). Diese Pflichten gelten ab 2. Dezember 2027 (Anhang III) bzw. 2. August 2028 (Anhang I). Nicht jedes System in einem Anhang-III-Bereich ist automatisch hochriskant; wer Personen profiliert, fällt jedoch immer darunter.

Beispiel

Derselbe Agent, der Rechnungen zuordnet, würde zum Hochrisiko-Thema, wenn man ihn Bewerbungen vorsortieren ließe.

Worauf achten

Den Einsatzzweck. Die Einstufung hängt daran, wofür ein System genutzt wird – ändert sich der Zweck, gehört die Einordnung neu geprüft.

Zahlen

Im Glossar: Artikel 14 – Menschliche Aufsicht →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

Transparenzpflichten

Seit 2. August 2026 gilt Artikel 50, mit getrennten Pflichten. Anbieter gestalten KI-Systeme, die direkt mit Menschen interagieren, so, dass diese davon erfahren – außer es ist offensichtlich –, und markieren synthetische Audio-, Bild-, Video- und Textausgaben maschinenlesbar; reine Standardbearbeitung ist ausgenommen. Betreiber informieren u. a. über Deepfakes, über den Einsatz von Emotionserkennung und über KI-Texte, die zur Information der Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse veröffentlicht werden, sofern keine redaktionelle Kontrolle erfolgt. Die Kommission hat dazu am 20. Juli 2026 Leitlinien veröffentlicht; ein freiwilliger Verhaltenskodex gilt als geeignetes Mittel, die Einhaltung nachzuweisen.

Beispiel

Ein Agent, der Lieferantenanfragen per Mail beantwortet, gibt sich spätestens bei der ersten Interaktion als KI-System zu erkennen; die maschinenlesbare Markierung seiner Ausgaben ist eine Funktion des Systems.

Worauf achten

Die eigene Rolle. Wer einen Agenten selbst entwickelt und unter eigenem Namen in Betrieb nimmt, kann Anbieter sein – mit den Anbieterpflichten. Sauber gebaut sind Offenlegung und Markierung Funktionen der Plattform, keine Einzelfallpflege.

Im Glossar: Artikel 50 →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

Minimales Risiko

Der große Rest der KI-Anwendungen unterliegt keinen besonderen Auflagen aus dem AI Act; freiwillige Verhaltenskodizes sind möglich. Unabhängig von der Stufe gilt seit 2. Februar 2025 Art. 4: Anbieter und Betreiber ergreifen Maßnahmen, um die KI-Kompetenz ihres Personals und beauftragter Personen zu unterstützen – seit dem Digital Omnibus ohne Pflicht, ein bestimmtes Niveau zu garantieren.

Beispiel

Ein Agent, der Rechnungen Bestellungen zuordnet und Buchungen vorschlägt, liegt typischerweise hier oder bei den Transparenzpflichten.

Worauf achten

„Minimal“ heißt nicht „ungeregelt“. Die DSGVO – etwa Art. 22 zu ausschließlich automatisierten Entscheidungen, die Menschen erheblich betreffen –, Arbeitsrecht und das interne Kontrollsystem gelten weiter; für Software, die nach dem 9. Dezember 2026 in Verkehr gebracht wird, gilt zudem die neue EU-Produkthaftung.

Im Glossar: KI-Kompetenz (Art. 4) →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

2. August 2026

Seit diesem Tag gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50: Anbieter informieren über die Interaktion mit KI-Systemen und markieren synthetische Inhalte maschinenlesbar, Betreiber legen u. a. Deepfakes offen. Seit diesem Tag kann die Kommission außerdem Geldbußen gegen Anbieter von GPAI-Modellen verhängen. Für Unternehmen mit Agenten ist das die Pflicht mit der größten Alltagswirkung, weil sie jede Stelle betrifft, an der ein Agent mit Menschen kommuniziert oder Inhalte erzeugt.

Beispiel

Antwort-Mails eines Agenten tragen einen Hinweis, dass sie von einem KI-System stammen.

Worauf achten

Eine Liste aller Stellen, an denen Agenten nach außen kommunizieren – sie ist die Grundlage für jede Kennzeichnung.

Im Glossar: Artikel 50 →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

2. Dezember 2026

Zwei Termine fallen zusammen: Anbieter von KI-Systemen, die synthetische Inhalte erzeugen und vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, müssen die maschinenlesbare Markierung nach Art. 50 Abs. 2 bis zu diesem Tag umsetzen; die übrigen Transparenzpflichten gelten bereits. Und das mit dem Digital Omnibus ergänzte Verbot von KI-Systemen, die nicht einvernehmliche intime Darstellungen oder Missbrauchsmaterial erzeugen, wird anwendbar.

Beispiel

Ein Textgenerator, der seit 2025 Angebotsentwürfe schreibt, bekommt bis zu diesem Tag eine maschinenlesbare Markierung seiner Ausgaben – durch den, der rechtlich sein Anbieter ist.

Worauf achten

Ob die Markierung vom Modell oder aus der eigenen Plattform kommt, hängt davon ab, wer rechtlich Anbieter des KI-Systems ist – ein Vertrag verteilt nur die Aufgaben.

Im Glossar: Der Zeitplan →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

2. Dezember 2027

Ab diesem Tag gelten die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III – etwa KI in Personalauswahl, Kreditwürdigkeitsprüfung oder kritischer Infrastruktur. Ursprünglich war dafür August 2026 vorgesehen; der Digital Omnibus hat den Termin verschoben. Systeme, die vorher in Verkehr gebracht wurden, fallen erst darunter, wenn sie danach in ihrer Konzeption erheblich verändert werden; für Systeme von Behörden gelten eigene Regeln.

Beispiel

Ein Unternehmen, das KI im Recruiting einsetzt, nutzt die Zeit für Inventar, Steckbrief, Protokollierung und Aufsicht – und lässt die Einordnung juristisch prüfen.

Worauf achten

Die gewonnene Zeit verstreichen lassen. Protokolle und Aufsicht nachträglich einzubauen ist deutlich teurer, als sie von Anfang an mitzudenken.

Zahlen

Im Glossar: Der Zeitplan →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗

06 · EU AI Act: die Einordnung

2. August 2028

Ab diesem Tag gelten die Hochrisiko-Pflichten für KI in regulierten Produkten nach Anhang I – etwa als Sicherheitsbauteil in Medizinprodukten oder Aufzügen. Für Maschinen gilt seit dem Digital Omnibus ein eigener Weg über die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. KI, die ausschließlich nicht sicherheitsrelevante Aufgaben wie Automatisierung oder Leistungsoptimierung übernimmt, gilt nicht als Sicherheitsbauteil. Betroffen sind vor allem Hersteller, deren Produkte schon heute eine Konformitätsbewertung durchlaufen.

Beispiel

Ein Hersteller von Medizinprodukten, der eine KI-gestützte Befundhilfe einbaut, berücksichtigt sie in der Konformitätsbewertung seines Produkts.

Worauf achten

Für Backoffice-Agenten ist dieser Termin meist nicht einschlägig – für produzierende Unternehmen mit KI im Produkt sehr wohl.

Im Glossar: Der Zeitplan →Praxisleitfaden, Kapitel 06 ↗